Skip to main content

Baranja

Die Gegend Baranja liegt als kleines Dreieck im Nordosten Kroatiens landschaftlich sehr reizvoll gelegen und hat wurde über die Jahre zu einem immer bedeutenderen Ziel für den Tourismus. Neben der Natur als Anziehungspunkt für Einheimische und Urlauber bietet die Baranja auch vielfältige kulturelle und naturgeschichtliche Einrichtungen, die einen Besuch lohnen.

Die Lage der Baranja

Baranja gehört zur Gepanschaft „Osijek-Baranja“ im Osten von Kroatien. „Gepanschaft“ bezeichnet hier eine regionale Einheit der Selbstverwaltung, von denen es in Kroatien insgesamt 20 gibt. Die Gepanschaft Osijek-Baranja grenzt an Ungarn, Serbien und das kroatische Slawonien. Diese Gegend wird auch als die „Kornkammer“ Kroatiens gesehen, da sie landwirtschaftlich günstig gelegen ist und somit hohe Erträge ermöglicht. Auch Baranja ist für gute Böden und eine erfolgreiche Landwirtschaft bekannt.

Die kroatische Baranja ist am linken, also nördlichen, Ufer der Drau gelegen, einem Nebenfluss der Donau. Der größere Teil der Baranja liegt in Ungarn und bildet dort eine eigene Gepanschaft, während der kroatische Teil wie bereits beschrieben zu Osijek-Baranja zugeordnet wird. Der kroatische Teil Baranjas ist charakteristisch wie ein Dreieck geformt, das von der Donau im Osten, der Drau im Südwesten und der ungarischen Staatsgrenze im Nordwesten abgegrenzt wird.

Die Geschichte der kroatischen Baranja

Bereits im 11. Jahrhundert erkannten die Römer, dass es sich bei der Baranja um ein sehr fruchtbares und damit ertragversprechendes Stück Land handelte. Besonders für den Weinanbau sahen sie hier gute Chancen, da Landschaft und klimatische Bedingungen so gut zusammenpassten, dass der Wein bestens wuchs.
So kam es, dass die beiden Regionen Baranja und das angrenzende Slawonien Teile der römischen Provinz Pannonien wurden. 1697 wurde die Provinz durch Eugen von Savoyen mit Kroaten besiedelt, nachdem das römische Reich gefallen war. Er nannte die Umgebung „Belje“, die er nach seinem Tod 1736 an Maria Theresia weitergab. Diese „verlieh“ die Baranja dann als Geschenk, sodass sie sich dann ab dem 16. Jahrhundert unter türkischer Herrschaft befand. Diese endete recht schnell wieder, indem die kroatische Volksarmee es schaffte, das türkische Militär niederzukämpfen. Damit waren die Baranja und Slawonien am 12.3.1689 wieder frei und die Bevölkerung ging ruhmreich in die Geschichte ein. Diese Freiheit währte jedoch nur 10 Jahre bis 1699, wenn ganz Kroatien unter die Herrschaft von Österreich-Ungarn fiel und somit auch die Baranja nicht mehr eigenständig war.

Es folgt eine Beherrschung der Baranja durch das Königtum Jugoslawien, nachdem das österreich-ungarische Reich zerfallen war. Besonders hervorzuheben ist, dass der Calvinismus mit seinen neuen Denkweisen über die Religion auch im Wirtschaftsleben und in der Gesellschaft der Baranja Spuren hinterlassen hat. Zudem kam es durch die unterschiedlichen Mächte, die die Region beherrschten, zu einer Vermischung der Nationalitäten der Bewohner dort. Neben Kroaten siedelten auch Serben, Ungarn und deutschsprachige Menschen in die Baranja, sodass bis zum Jahr 1918 in der Gegend viele Personen Deutsch sprachen. Im Jahr 1910, relativ spät also, wurde ein Wappen eigens für die Baranja geschaffen.

Im Zweiten Weltkrieg fiel die Baranja zusammen mit dem vormals unabhängigen Staat Kroatien unter deutsche Herrschaft. Während des Kroatienkrieges von 1991 bis 1995 wurden in der Baranja pakistanische Blauhelm-Soldaten, also friedensstiftende Soldaten der UNO, stationiert, da das Gebiet von serbischen Truppen besetzt war. Das kroatische Militär schaffte es, in einer Befreiungsaktion die besetzten Teile von Slawonien und der Baranja zurückzugewinnen. Trotzdem war der Konflikt erst 1998 vollkommen beigelegt, als die fraglichen Gebiete der Baranja mit dem „Abkommen von Erdut“ wieder in Kroatien eingegliedert wurden.
Heute wird die Baranja ökonomisch weitesgehend von Ivica Todoric, dem wahrscheinlich reichsten Kroaten, beherrscht. Er ist der Chef von „Agrokor“, dem Unternehmen das erst vor Kurzem ein großes slowenisches Unternehmen aufkaufte und insgesamt circa 10.000 Menschen beschäftigt.

Bevölkerung und Kultur in der Baranja

Durch die wechselhafte und turbulente Geschichte der Baranja ist diese heute von vielen verschiedenen Nationalitäten bevölkert. Den Großteil der Bevölkerung stellt im Jahr 2011 Kroatien mit 86 Prozent, gleich danach mit insgesamt 7,7 Prozent der Bewohner folgt Serbien. Ungarn und Slowaken sind heute mit etwa gleichen Zahlen von knapp drei Prozent vertreten, während Albaner und Deutsche mit 0,3 Prozent und circa 800 Menschen in der Unterzahl sind. Die Zahlen der Bosniaken, Slowenen und Mazedonier scheinen zwar mit 0,1 Prozent sehr klein, doch immerhin je 300 bis 400 Personen dieser Nationalitäten leben im Großraum Baranja.

Weinanbau in der Baranja

Weinanbau in der Baranja ©iStockphoto/tupungato

Die gesamte Baranja ist auch heute noch sehr landwirtschaftlich geprägt, was an dem besonders guten und fruchtbaren Boden und den passenden klimatischen Gegebenheiten liegt. Diese landwirtschaftliche Prägung ist in der Baranja häufig zu spüren, denn kleinere und größere Bauernhöfe finden sich nahezu an allen Ecken. Die Natur in ihrer Vielfältigkeit und Schönheit ist landschaftsprägend und die Baranja vermittelt einen Eindruck davon, wie es ist, im größtmöglichen Einklang mit der Natur und ihren Anforderungen an den Menschen zu leben. Natürlich hat auch in der Baranja die Neuzeit mit ihren technischen Neuentwicklungen Einzug gehalten, doch das Lebensgefühl ist hier wahrscheinlich für die meisten Menschen ein anderes als in ihrer Heimat. So kommt es auch, dass immer mehr Personen die Baranja bereits für sich entdeckt haben oder dies noch tun wollen. Der Tourismus verzeichnet in dieser Gegend einen kontinuierlichen, leichten Anstieg. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die Baranja hat mit ihren Dörfern, Städten und natürlich der artenreichen und vielseitigen Natur für jeden Touristen etwas zu bieten.

Die Baranja als Urlaubsort – für Naturliebhaber und Personen, die gerne in etwas unbekanntere Gebiete vordringen und Erholung fernab des Massentourismus suchen
Wer noch nicht sicher ist, wo es im nächsten Urlaub hingehen soll, der sollte sich die Baranja einmal genauer ansehen. Auch, wenn dieser nordöstliche Zipfel von Kroatien auf den ersten Blick vielleicht nicht wie das perfekte Domizil für die Ferien scheint, so hat die Region doch sehr viel zu bieten und baut ihren guten Ruf immer weiter aus. Denn neben der Natur und allen sich dort anbietenden Aktivitäten hat die Baranja auch in kultureller Hinsicht interessante Dinge zu bieten. So gibt es viele Sehenswürdigkeiten, deren Besuch sich in jedem Fall lohnt und schließlich lässt sich solch eine Sightseeing-Tour auch optimal mit dem Probieren der landestypischen Küche in einem der zahlreichen kleinen Restaurants kombinieren.

Sehenswürdigkeiten und Kultur in der Baranja

Aufgrund ihrer langen Geschichte besitzt die Baranja ein großes und vielfältiges geschichtliches Erbe, das oft in Form von Burgen, Schlössern und anderen architektonisch interessanten Bauten hautnah erlebt werden kann. Die Zerstörungen, die die Gegend während des Jugoslawien-Krieges erlitten hat, sind heute weitesgehend verschwunden, da viel Aufwand und Geld in den Wiederaufbau des Gebietes investiert wurden. Zur Besichtigung bieten sich beispielsweise die Schlösser in Tikveš an, die innerhalb eines Naturparks liegen und von einem hundert Jahre alten Eichenwald gesäumt werden. Hier trafen sich früher gerne Staatsmänner und andere hohe und berühmte Persönlichkeiten, deren Geist man der Legende nach noch immer in den Mauern der Schlösser erahnen kann. Heute befindet sich in Tikveš das Europäische Zentrum für Umweltschutz, das Forschung, Naturschutz und Tourismus in der Natur teilweise koordiniert und organisiert. In diesem Schlosskomplex befindet sich zudem ein Restaurant, sodass das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt. Hier werden landestypische und regionale Spezialitäten angeboten, die es sich zu testen lohnt.

Auch in Kutjevo befindet sich ein sehenswertes Schloss, das eine Weinkellerei beherbergt und ehemals in jesuitischem Besitz war. Ein weiteres Schloss ist das in Donji Miholjac, es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im typischen Jagdstil erbaut. Dieser Stil findet sich in ganz Kroatien und dem östlichen Teil nur ein einziges Mal, was diesen Bau besonders auszeichnet. In Bilje findet man das ehemalige Jagdschloss von Eugen von Savoyen, dem Besiedler der Baranja. Dieses Schloss ist im Wiener Stil gehalten. Weitere Schlösser in der Baranja gehörten den Grafen Pejačević, die ihren Besitz neuen Generationen in Virovitica, Našice und Osijek hinterlassen haben.

Ein weiteres zu erwähnendes Bauwerk ist das Barockschloss von Graf Noraman-Prandau in Valpova, das einen eigenen Park aufweisen kann. Einen Museumsschatz kann man besichtigen, wenn man sich in das Schloss der ehemals einflussreichen Familie Eltz in Vukovar begibt. Es wurde nach schweren Zerstörungen im Krieg nur notdürftig saniert und wieder aufgebaut, doch der bedeutende Museumsschatz ist erhalten geblieben und umfasst unter anderem die archäologischen Überreste der Vučedol-Kultur.

Die Baranja – eine besonders im Tourismus aufstrebende Region

In der Baranja finden sich neben den vielen Schlössern, Burgen und anderen architektonisch wertvollen und interessanten Bauwerken auch Bäder und Thermalwasser-Kurorte. Diese versprechen Entspannung und beste Wasserqualität. Die Baranja setzt in ihrer Entwicklung neben der altbewährten Landwirtschaft nun auch vermehrt auf den Tourismus als zweites Standbein. In diesem Sinne werden bestehende Anziehungspunkte für Touristen ausgebaut und saniert, zudem werden immer neue und meist kleinere Familienhotels, Kureinrichtungen und Freizeitsportkomplexe gebaut. Außerdem wird in der Baranja in die Verkehrsinfrastruktur investiert und auch der Umweltschutz rückt mehr und mehr in den Fokus, um durch den neuen Tourismus die Natur und ihre Angebote möglichst nicht zu schädigen.

Die regionale Küche

Da die Baranja unter anderem an Ungarn grenzt, hat diese reichhaltige und deftige Küche einen großen Einfluss auf die regionalen Spezialitäten. Viele Gerichte sind sehr würzig, gehaltvoll und nahrhaft. Kräftiger Geschmack und die Verwendung von Produkten, die möglichst frisch sind und aus der Nähe stammen, zeichnen die Küche in Baranja aus.

Beispiele für diese Gerichte sind „Fischpaprikasch“, ein traditionelles Fischgericht, auf Reisig gebackener Karpfen und Wildgerichte mit Wild aus den angrenzenden Wäldern. Als Dessert findet sich oft hausgemachter Kuchen, zum Beispiel mit Walnüssen oder als Mohnrolle. Die Natur hat also auch in der Küche einen hohen Stellenwert und ernährt die Menschen in der Baranja direkt.

Der Naturpark Kopački rit

Dieser Naturpark liegt inmitten der Baranja und ist eines der bekanntesten Ziele für Touristen in der Region Baranja. Hierbei handelt es sich um eine Wasserlandschaft mit verschiedensten Tierarten und großer Vielfalt an Pflanzen und Bäumen. Kopački rit ist ein Gebiet am rechten Donau-Ufer, das fast komplett überschwemmt ist, und bildet ein riesiges Dreieck zwischen Drau und Donau. In dieser Sumpflandschaft erbaute Süleiman der Prächtige im Jahr 1566 eine acht Kilometer lange Brücke, die zu dieser Zeit als Weltwunder galt und eines der wichtigsten Bauwerke der Osmanen in Südosteuropa darstellte. In dem Naturpark leben mehr als 2000 Arten, wovon viele in Europa und der kompletten Welt sehr selten und bedroht sind. 298 verschiedene Vogelarten leben dort, zudem fünfzig verschiedene Säugetiere und fünf Arten von Wasserschlangen. Der Naturpark ist insgesamt 23.000 Hektar groß und viele Seen haben sich gebildet, auf denen malerisch Seerosen schwimmen.

Für Touristen bietet es sich an, an einer der Besucherführungen teilzunehmen, die von dem öffentlichen Veranstalter „Naturpark Kopački rit“ veranstaltet werden. Diese Führungen finden mit Hilfe von speziellen Booten statt, sodass die Schönheit der Natur direkt vom Wasser aus genossen werden kann.

Die Weinregion Baranja

Wie bereits ganz zu Anfang beschrieben, haben schon die alten Römer die Vorzüge der Baranja erkannt und angefangen, dort Wein anzubauen. Der Kaiser verfügte, sehr verschiedene Traubensorten anzupflanzen, was bis heute zur Tradition wurde und charakteristisch für Wein aus der Baranja ist. Die unterschiedlichen Reben werden gepflegt, gekreuzt und erneuert. Der Weinberg Baranja liegt im Norden der Baranja im Bereich „Banovo brdo“, was aus dem ungarischen kommend übersetzt „Mutter der Weine“ bedeutet und somit äußerst gut passt. Die Weinkeller in Baranja werden durch ihre geschnitzten Ornamente besonders und sind sogar außerhalb Kroatien bekannt. Der Weinberg Baranja ist zusammen mit dem Weinberg Erdut der erste kroatische Weinberg, der zu einem Teil der Weinstraßen der EU wurde. Besonders im Herbst bieten die Weinberge mit ihren bunten Farben und charakteristischen Düften etwas für alle Sinne und die gesamte Natur zeigt sich in herbstlichen Orange-, Rot- und Brauntönen.

Die Baranja als Jagdgebiet

Die ertragreiche Natur der Baranja bietet sich natürlich auch für Jäger und Angler äußerst gut an. Das gesamte Jagdgebiet umfasst circa 26.000 Hektar, wovon allerdings 7000 Hektar reines Wildschutzgebiet sind. In den weitläufigen Wäldern findet man Wild in fast allen Varianten, Rotwild, Dammwild, Muffel- und Gamswild ist ebenso vorhanden wie Axishirsche, Hasen, Braunbären, Wildkatzen, Luchse und Auerwild. Auch Fasane, Rebhühner, Gänse, Enten und Wachteln können mancherorts bejagt werden.

Wer sich für einen Jagdurlaub interessiert, informiert sich am besten im Internet nach einem speziellen Anbieter, der über die Jagdgebühren und Kosten im Falle eines erfolgreichen Abschusses aufklären kann. Das Jagdgebiet in der Baranja ist gut erschlossen und von vielen Schneisen durchzogen. Auch das Angeln an einem der vielen fischreichen Flüsse ist kein Problem, sofern es vorher angemeldet und abgesprochen wurde.