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Brioni-Inseln

Die Lage und Beschaffenheit der Inselgruppe Brijuni

Die faszinierende Inselgruppe Brijuni an der südwestlichen Küste Istriens besteht aus insgesamt 14 Inseln mit einer Gesamtfläche von 7,4 Quadratkilometern. Die beiden größten dieser Inseln sind Veli Brijun und Mali Brijun. Nicht weit vor der Inselgruppe befindet sich die historischen Küstenstadt Pula und der Ort Fazana. Der Brijuni Archipel beeindruckt durch seine landschaftliche Schönheit, sein mildes Klima und durch außergewöhnliche Funde und Denkmäler als Hinweis auf längst vergangene Zeiten. Bis vor ungefähr 10.000 Jahren waren die Inseln noch mit dem Festland verbunden.

Die geschichtliche Entwicklung

Verschiedene Lebensformen und Kulturen haben ihre einzigartigen Spuren auf den Inseln hinterlassen. Neben gut erhaltenen Fußabdrücken von Dinosauriern, die in Steinen verewigt sind, wurden auch die Reste uralter Erdhüttensiedlungen, die etwa 2000 v. Chr. entstanden sind, gefunden. Den illyrischen Inselbewohnern folgten die Römer, die hier aufgrund der reizvollen Landschaft mit allem erdenklichen Luxus ausgestattete Sommerresidenzen errichteten. Den Römern folgten die Ostgoten und danach die Byzantiner. Diese sicherten die Hauptinsel Veli Brijun mit einer widerstandsfähigen Festung. Das byzantinische Castrum bot ab dem 5. Jahrhundert Schutz vor Seeräubern. Unter den Einflüssen Roms und Byzants entstanden auch die ersten Siedlungen. Bauten, Villen und attraktive Mosaike dokumentieren anschaulich den damaligen Baustil. Die eindrucksvollsten Überreste sind die der römischen Sommerresidenz in der Bucht Verige. Innerhalb dieses Gebäudekomplexes befanden sich auch die Tempel von Neptun und Venus.

Im Jahr 1893 erwarb ein österreichischer Unternehmer, Paul Kupelwieser, die Inseln. Aufgrund der Malaria-Krankheit waren die Inseln zu dieser Zeit unbewohnt. Kupelwieser nahm Kontakt zu Robert Koch auf, der zweimal die Brijuni-Inseln aufsuchte. Koch hielt sich derzeit zu Forschungszwecken in Italien auf und suchte nach Wegen, die Malaria ausrotten zu können. Kupelwieser sorgte dafür, dass die Inseln wieder bewohnbar wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Brijuni-Inseln zum Aufenthaltsort des damaligen jugoslawischen Staats- und Parteichefs Tito. Er hatte seine Residenz in der weißen Villa auf dem Großen Brijun. Viele andere Staatsmänner aus allen Teilen der Welt besuchten die Inseln und hielten sich hier in angenehmen Präsidentenresidenzen auf. In der Zeit nach Tito wurden im Jahre 1983 die Inseln zum Nationalpark erklärt. Die Auflösung des jugoslawischen Staates führte dazu, dass die Inseln seitdem zu Kroatien zählen.

Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele

Die Burgruine Gradina diente in der Bronzezeit als Schutzbefestigung für eine Siedlung auf einer Anhöhe nördlich von der Bucht Verige. Der strategisch günstig gelegene Ort war durch drei Gürtel mit hohen Mauern umgeben. Neben dem Verteidigungswall wurden die Grabstätten errichtet. Die Reste einer ehemaligen luxuriösen Villa aus der Römerzeit befinden sich an der Westküste der Brijuni-Inseln in der Bucht Verige. Das prunkvolle, mehrteilige Bauwerk war damals in idealer Harmonie zum Landschaftsbild errichtet worden. In der Bucht von Dobrika befindet sich ein spätantikes byzantinisches Castrum. Diese Überreste bestätigen das Bestehen von Siedlungen bis zum 16. Jahrhundert. Die erste Villa im Castrum wurde im ersten Jahrhundert vor Christus errichtet. Die byzantinische Basilika der heiligen Maria war für die Bewohner des Castrums erbaut worden.

Lohnenswert ist auch ein Besuch des im Jahre 1900 erbauten Aussichtsturms Ciprovac, der ein außergewöhnliches Beispiel für Ingenieurskunst darstellt. Von den drei Aussichtstürmen, die wegen ihrer Bauweise auch auf Ausstellungen bestaunt werden konnten, ist dieser Aussichtsturm in gutem Zustand erhalten geblieben. Die frühere Hauptattraktion für Besucher ist jetzt allerdings mit dem Wald verwachsen. Eine Vielzahl von Steinbruchswänden bietet Spaziergängern einen Schutz vor Wind und Sonne. An einer dieser Wände wurde dem großen Forscher und Bakteriologen Dr. Robert Koch eine Gedenktafel errichtet. Eine Ausstellung von Freskenkopien und Kopien glagolitischer Schriften aus Istrien und vom Kvarner befindet sich in der gotischen St.-Germanus-Kirche von 1481. Außerdem wurde aus Anlass des hundertjährigen Jubiläums der erstmaligen Ankunft von Paul Kupelwieser auf der Insel eine Ausstellung eingerichtet. Sie trägt die Bezeichnung „Aus den Erinnerungen eines Altösterreichers“.

Brioni-Inseln

Brioni-Inseln ©iStockphoto/Nico_Campo

Das Mausoleum der Familie Kupelwieser ist nicht die letzte Ruhestätte für Paul Kupelwieser geworden. Hier wurden die Ehefrau Maria Kupelwieser sowie der Sohn Karl Kupelwieser beigesetzt. Durch die damaligen Lebensumstände verstarb Paul Kupelwieser in Wien und wurde dort beerdigt. Auf seinem Grabstein steht unter seinem Namen der Name seiner geliebten Insel, die sein Lebenswerk darstellte.

Es können auch ausgestopfte exotische Tiere besichtig werden, die damals als Geschenk an Tito übergeben worden waren. In Glasvitrinen sind im Rahmen dieser naturkundlichen Ausstellung ungefähr 200 präparierte Tiere zu sehen.

Der Tourismus

Kurzbesucher der Insel Veli Brijun nehmen hier in der Regel das Angebot einer etwa vierstündigen Inselrundfahrt mit der Elektrobahn an. Dabei können alle Kulturdenkmäler und Naturschönheiten besichtigt werden. Die Tour mit dem Bummelzug begeistert vor allem Kinder. Da die Inseln seit 1983 zum Nationalpark erklärt worden sind, können Tagesbesucher nur organisierte Ausflüge zu den Inseln buchen. Hotelgäste können die Inseln auf eigene Faust erkunden. Wer den Wunsch dazu verspürt, kann sich sogar in Titos ehemaliger Staatskarosse über die Insel fahren lassen. Direkt am Hafen von Fažana befinden sich komfortable Hotels. Mehrere ansprechende Villen sind für Besucher der Insel im südöstlichen Teil der Insel Veli Brijun, in der Bucht Lovorika, verfügbar. Es werden auch zahlreiche Ferienwohnungen und Ferienhäuser angeboten. An vielen Stellen sind Souvenirs erhältlich. Ursprünglichen Planungen zur erheblichen touristischen Ausweitung im Inselbereich wurden durch den Inselstatus Nationalpark sowie Nationale Gedenkstätte wieder verworfen. Seit dem Beitritt Kroatiens zur EU stellt sich diese Frage jedoch erneut. Im Nationalpark werden auch viele Kongresse und Tagungen veranstaltet. Es finden außerdem Ausstellungen, Konzerte, Banketts und Tanzabende statt. Auch stimmungsvolle Hochzeiten werden in dieser herrlichen Umgebung gefeiert.

Die Inseln werden zunehmend ein beliebtes Ziel für Nautiker, die hier für einige Tage eine abwechslungsreiche, erholsame Zeit verbringen möchten. Ein Tipp ist die Bucht St. Nikolaus auf der Insel Mali Brijun, die früher einmal einen Teil von Veli Brijun bildete. Für Golfspieler steht ein fantastischer Golfplatz mit 18 Löchern und Par 71 in unberührter Natur zur Verfügung. Auch die Möglichkeit zum Tennisspielen ist auf mehreren gepflegten Plätzen gegeben. Auf der Insel Veli Brijun besteht ein etwa 25 Kilometer langes Radwegenetz, auf dem man die Insel näher erkunden kann. Auf der Ostseite von Veli Brijun gibt es für kleine Gruppen den abenteuerlichen Unterwasserlehrpfad. Hier besteht die Gelegenheit, die geheimnisvolle Unterwasserwelt kennenzulernen. Tauchermaske und Schnorchel sind im Preis enthalten. Die Audio-Führung erfolgt über Funk. Bei Bedarf kann eine Unterwasserkamera geliehen werden, um die Funde aus der Antike zu dokumentieren. Einen reizvollen Schnappschuss bieten auch:

• Zahlreiche Fischarten
• Seegurken
• Seeigel
• Algen
• Seeschwämme
• Krebse
• Muscheltiere

Auch Bogenschießen, Badminton und Boccia ist auf Veli Brijun möglich.

Strände, Flora und Fauna

Aufgrund der klimatischen Bedingungen, dem natürlichen Schutz durch den Inselcharakter und der vorhandenen Harmonie in der Begegnung zwischen Mensch und Tier ist hier ein einzigartiger Lebensraum entstanden. Axishirsche, Damhirsche sowie Mufflons und Hasen bilden eine Bereicherung für die Wälder, Parks und Lichtungen der Inseln. Auf den Inseln sind zahlreiche Eidechsen vorhanden. In großer Vielfalt ist die Vogelwelt vertreten. Auf einigen besonders geschützten Inseln brüten in großer Zahl Möwen und Seeschwalben. Ein von Schilf umrahmter See schafft ideale Bedingungen für die Brut von Purpurhühnern, Drosselrohrsängern, Wildenten und Maskenschleiereulen. Schlamm und seichtes Wasser bieten den Vögeln reichlich Nahrung durch Mückenlaichen und Gambusien. Viele Singvögel wie Nachtigallen, Drosseln und Weidenlaubsänger können hier ungestört leben. In den hohen Baumkronen der Kiefern bauen Habichte, Bussarde sowie Sperber ihr sicheres Nest für den Nachwuchs. Auch Rohrweihe und Kornweihe sind hier zu sehen. Auf ihrer langen Reise in den Süden kommen im Herbst auch Schnatterenten, Löffelreiher, Tauchreiher sowie Fischreiher und Seidenreiher zu einer kurzen Rast auf die Inseln. Auch selten gewordene, scheue Vogelarten finden hier die notwendige Ruhe und genügend Nahrung.

Auf den Inseln sind fast 700 verschiedene Pflanzenarten anzutreffen.

Die Pflanzenwelt zeigt einen mediterranen Charakter. Die wichtigsten Pflanzenvorkommen auf Veli Brijun sind:

• Gras
• Kiefern
• Pinien
• Zedern
• Stechpalmen
• Steineichenwald
• Lorbeerwald
• Seltene Gewächse wie Gelber Hornmohn und Eselsgurke
• Olivenbäume
• Eukalypten
• Zypressen
• Kakteen
• Macchia
• Erdbeerbaum
• Terpentinbaum.

Begünstigende Rahmenbedingungen für eine optimale Pflanzenentwicklung stellt neben dem mediterranen Klima die Umwandlung ehemals landwirtschaftlicher Flächen in Landschaftsparks und offene Rasenflächen dar. Die exotischen Gewächse wie Yucca-Palmen oder Kakteen bilden vor allem einen exklusiven Rahmen für die Hotels und Villen. Ein circa 1600 Jahre alter Olivenbaum ist einer der ältesten Olivenbäume im gesamten Mittelmeerraum. Der immer noch fruchtbare Olivenbaum ist ein markanter Bestandteil der einzigartigen Landschaft von Brioni. Er bietet seinen Besuchern mit seiner gewaltigen Baumkrone und dem außergewöhnlichen Umfang seines Stammes ein unvergessliches Bild.

Veli Brijun ist rundum mit traumhaften Badebuchten ausgestattet. Überall besteht an wunderschönen Strandabschnitten die Möglichkeit zum Badevergnügen. Das saubere, türkisblaue Wasser ist atemberaubend. Die Inselstrände sind flach abfallend und steinig. In verschiedenen Buchten sind kleine Sandstrände anzutreffen.

Die Unterwasserwelt

Die unzähligen malerischen Buchten, wechselnden Meerestiefen und Strömungsbedingungen sowie die Artenvielfalt der im ungetrübten Wasser lebenden Pflanzen und Tiere hinterlassen beim Betrachter einen nachhaltigen Eindruck. Das Seegebiet in der nördlichen Adria ist ein wichtiger Laichplatz für viele Fische. Dort wurden auch bereits seltene, gesetzlich geschützte Meeresorganismen wie die Bohrmuschel und die edle Steckmuschel vorgefunden. In diesem Meeresabschnitt tauchen gelegentlich auch Meeresschildkröten und Delfine auf. Die Unterwasserwelt zählt viele Bewohner: Fische, Krebse, Igel sowie Schwämme oder Algen. Die am häufigsten vertretenen Fische sind:

• Goldbrasse
• Seebarsch
• Seeaal
• Zahnbrasse
• Seezunge
• Meeräsche
• Drachenkopf
• Meerrabe

Der Safaripark

Tito war Tierliebhaber, daher brachten ihm einige der internationalen Gäste exotische Tiere als Geschenk mit. Es handelte sich dabei um Elefanten, Löwen, indische Rinder sowie Tiger oder Zebras. Deshalb ließ Tito den bis heute bestehenden Safaripark anlegen. Der Park wurde im Jahre 1978 nördlich von Veli Brijun in einem abgezäunten Gebiet in der Größe von neun Hektar geschaffen. Im Safaripark leben vor allem exotische Pflanzenfresser:

• Indische Elefanten
• Lamas
• Zebras
• Nilgaus
• Kob-Antilopen
• Somalische Schafe
• Heilige Kühe aus Indien
• Esel
• Gazellen
• Knus
• Strauße

Innerhalb des Safariparks befindet sich auch der ethnologische Park. Hier wird der typische Tierbestand eines irischen Bauernhofes vorgestellt. Es handelt sich um das istrische Rind Boskarin, das istrische Schaf Pramenka sowie Ziegen und Esel.