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Varazdin

Im Norden des Landes, etwa achtzig Kilometer von der Hauptstadt Zagreb entfernt und in der Nähe zur slowenischen Grenze liegt Varazdin, eine der bedeutendsten Barockstädte Europas und zugleich eines der wichtigsten kulturellen Zentren Kroatiens. Zu Berühmtheit gelangte die Stadt als Kulisse von Emmerich Kálmáns bekannter Operette „Gräfin Mariza“. Mit knappen 47 000 Einwohnern ist Varazdin mit seiner malerischen Altstadt und den zahlreichen barocken Stadtpalästen und Kirchen einer der beliebtesten touristischen Anziehungspunkte fernab des Trubels an der dalmatinischen Adriaküste. Die Stadt blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück und wurde im späten 12. Jahrhundert erstmals als Festung und Königsstadt urkundlich erwähnt. Die prachtvolle Burg, die heute als das Wahrzeichen Varazdins gilt und das Stadtmuseum beherbergt, wurde unter dem Einfluss der ungarischen Adelsfamilie Erdögy ausgebaut. Die Herrschaft des Grafen Erdögy und seiner Nachkommen brachte der Stadt eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit, die mehrere Jahrhunderte andauerte und erst im Jahr 1776 mit einem verheerenden Brand ihr Ende nahm. Der Aufschwung ermöglichte den Einwohnern der Stadt und des Umlands einen erheblichen Wohlstand, von dem heute die barocken Herrensitze zeugen. Die kunstvoll gestalteten Fassaden der Prachtbauten zieren das Stadtbild und sind für Fans der Architektur und Kunst des Barock und Rokoko ein wahres Eldorado. Die sorgfältige Gestaltung der Parkanlagen und die zahlreichen authentischen Kaffeehäuser entlang der idyllischen Gassen der Altstadt brachten Varazdin auch die Beinamen „Stadt der Blumen“ und „Klein Wien“ ein. Varazdin ist als kroatisches Zentrum der Barockmusik international berühmt und bietet neben Kunst und Kultur auch Einblicke in traditionelles Handwerk wie etwa die Herstellung barocker Instrumente.

Die Burg Varazdin und das Stadtmuseum

Als wichtigste Sehenswürdigkeit und Wahrzeichen Varazdins liegt die Burg Stari Grad etwas außerhalb am Nordrand des Stadtzentrums in idyllischer Umgebung eines weitläufigen Parks. Ihre Schönheit macht Varazdin zu einem der wichtigsten Fremdenverkehrsorte in ganz Kroatien. Das imposante Bauwerk ist durch eine Schanze, eine fast zweieinhalb Meter dicke Mauer und ein Bollwerk mit Kanonen von der übrigen Altstadt getrennt und diente Jahrhunderte lang als die Residenz der herrschenden Adelsfamilien. Innerhalb der Schutzmauern erwartet die Besucher ein Renaissancepalast von aristokratischem Stil und Ausmaß. Die Burg beeindruckt durch einen weitläufigen Gebäudekomplex, der ein harmonisches Bild aus Gotik und Renaissance sowie Barock- und Historismus-Elementen erzeugt. Die Grundmauern stammen aus dem 14. Jahrhundert und wurden in einem Zeitrahmen von fünfhundert Jahren und unter dem wechselnden Besitz unterschiedlicher Herrscher ständig erweitert. Die für die Anlage einflussreichste Adelsfamilie war jene des Grafen Erdögy, deren von Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1763 bestätigtes Familienwappen noch immer in Verwendung ist. Die Festungsmauer und der doppelte Burggraben wurden im 16. Jahrhundert angelegt. Von der originalen Bausubstanz sind heute allerdings nur noch die beiden gotischen Türme erhalten.
Der letzte aristokratische Besitzer verkaufte die Burg im Jahr 1923 der Stadt, die zwei Jahre später die kulturgeschichtliche Sammlung und Abteilung des Historischen Stadtmuseums in dem Gebäudekomplex einrichtete. Die Burg von Varazdin wurde im Jahr 1989 umfangreichen Renovierungsarbeiten unterzogen, erstrahlt seither in ihrem ursprünglichen Renaissanceglanz und begeistert durch prachtvolle Dekorelemente und Innenarchitektur. Nach einer Besichtigung der Burganlage können Besucher im Museum eine umfangreiche Sammlung alter Kunstgegenstände, Möbel und Waffen unterschiedlicher Stilepochen besichtigen. Der Burggraben ist heute trockengelegt und ermöglicht einen idyllischen Rundgang um die Anlage.

Varazdin

Varazdin ©iStockphoto/deymos

Die Abteilungen des Historischen Stadtmuseums sind neben der Burg auch in anderen architektonisch höchst interessanten Bauwerken der Altstadt untergebracht. So ist die Sammlung alter und neuer Malerei im Palais Sermage zu besichtigen. Sie beinhaltet insgesamt über 5300 Kunstwerke, die zehn verschiedenen Sammlungen zugeteilt sind. Das Stadtmuseum zeigt im Palais Sermage mit chronologisch präsentierten Sammlungen von Malereien kroatischer und europäischer Maler des 15. bis 19. Jahrhunderts und von kroatischen Kunstwerken des 20. Jahrhunderts zwei alternierende ständige Ausstellungen.
Besonders sehenswert ist die entomologische, äußerst umfangreiche Sammlung, die das Palais Herzer beherbergt. Unter dem Titel „Welt der Insekten“ zeigt das Palais Herzer in einer ständigen Ausstellung die beeindruckende Sammlung des Schulprofessors Franjo Košcec. Sie gilt in Fachkreisen als eine der umfangreichsten und schönsten in ganz Europa. Die Sammlung ist in drei Themenbereiche, nämlich „auf der Wiese“, „am Wald“ und „im Wald“ aufgeteilt und umfasst weit über viertausend Exponate wie Insektenmodelle und unterschiedliche Präparate. Auch das Palais Herzer selbst ist einen Besuch wert, denn es gilt als eines der schönsten klassizistischen Bauwerke in Varazdin.

Die barocke Altstadt – Glanz einer vergangenen Epoche

Vom Rathausplatz aus einen Stadtrundgang zu beginnen, gewährt Besuchern einen umfassenden Einblick in die barocke Blütezeit Varazdins. Im ganzen historischen Stadtkern verteilt reiht sich ein prachtvolles Stadtpalais an das nächste. Diese Gebäude beherbergen heute zum Großteil öffentliche Ämter der Stadtverwaltung. Ihre reichlich verzierten und bunten Fassaden im Barock- und Rokokostil begeistern jeden kunstinteressierten Besucher. Das Palais Patacic gilt als der kostbarste Rokokobau in ganz Kroatien und wurde im Jahr 1764 errichtet. Im Zuge von Renovierungsarbeiten in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts wurden originale Wandmalereien freigelegt, die beindruckende Szenen aus dem städtischen Leben des 18. Jahrhunderts darstellen.

Das alte Rathaus gilt neben der Burg als das wichtigste historische Bauwerk Varazdins und wurde im 15. Jahrhundert errichtet. Nachdem es zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch einen Brand erheblichen Schaden genommen hatte, wurde es ab 1793 im detailreichen Barockstil wiederaufgebaut und um einen schlanken und eleganten Uhrturm, der in der Mitte des Gebäudes einprägsam aus dem Dach ragt, ergänzt. In den warmen Sommermonaten können Besucher vor dem Rathaus jeden Samstag zur Mittagszeit die berühmte Garde bei der Wachablöse beobachten.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum alten Rathaus befindet sich das Palais Draškovic mit seiner kunstvollen barocken Fassade und dem vergoldeten Wappen über dem Eingang. Dieser Prachtbau gehörte einst der namensgebenden Adelsfamilie, in deren Besitz sich auch das Schloss Tracošcan im Umland Varazdins befand. Als eine der einflussreichsten Familien Kroatiens machten die Draškovics ihre Residenzstadt zu einem wichtigen politischen Zentrum. Erst nach dem verheerenden Brand von 1776 verließ die Familie ihre Heimatstadt, um sich in Zagreb niederzulassen. Damit verlor Varazdin den Status als Hauptstadt Kroatiens und in weiterer Folge allmählich als politisches Zentrum an Bedeutung. Gegenüber befindet sich ein barockes Gebäude, dass die Brände wie durch ein Wunder weitgehend unbeschadet überstanden hat. Es beherbergt heute ein Kaffeehaus, das an warmen Sommertagen zu einer gemütlichen Pause auf dem geschichtsträchtigen Rathausplatz einlädt.

Als inoffizielles Wahrzeichen sehen die Einwohner der Stadt ihre geliebte, von dem weltberühmten Bildhauer Ivan Meštrovics im Jahr 1931 geschaffene Statue, die Grgur Ninski, den Bischof und ehemaligen Kanzler Kroatiens darstellt. Eine alte Legende besagt, dass es jeden Besucher, der die große Zehe der bronzenen Statue berührt, im Laufe seines Lebens immer wieder nach Varazdin verschlagen wird. Mit der Berührung der Zehe dieser wichtigen historischen Persönlichkeit aus dem frühen 10. Jahrhundert sollen zudem alle Wünsche in Erfüllung gehen.

Kirchliche Bauwerke in Varazdin

In der Barockstadt Varazdin befinden sich viele Kirchen, die als beeindruckende Beispiele romanischer, gotischer und barocker Baukunst gelten. Die Pfarrkirche St Nikolaus stammt aus dem Jahr 1761 und prägt das Stadtbild heute durch ihren auffälligen Uhrturm, der das unverwechselbare alte Wappen Varazdins aus dem Jahr 1464 und darüber die steinerne Abbildung einer Bärin trägt. Diese beiden Elemente zählen zu den wichtigsten Symbolen der Stadt und machen St. Nikolaus zu einem der bedeutendsten Sakralbauten Kroatiens. Die Kirche wurde auf Fundamenten aus der gotischen Epoche errichtet und ist heute von einer Baumallee umgeben, die die Umrisse des alten Friedhofs der Stadt markieren. Das schönste Kunstwerk im Innenraum der Pfarrkirche St. Nikolaus ist neben dem Barockaltar zweifelsohne das große Fresko, das 1771 gemalt wurde und die Stadt zur Zeit ihrer barocken Blüte darstellt.

Als Austragungsort der jährlich im Rahmen des berühmten Festivals stattfindenden Barockmusikabende ist die Kathedrale Mariä Himmelfahrt von zentraler kultureller Bedeutung für Varazdin. Sie wurde in den Jahren zwischen 1742 und 1747 erbaut und besitzt eine kunstvoll gestaltete Frontfassade. Im Innenraum sind vor allem der monumentale Altar mit seinen rot-goldenen Säulen und die sechs Kapellen mit ihren wertvollen Barockgemälden sehenswert. Auch die barocke Orgel ist ein schönes Beispiel der sakralen Kunst jener Zeit. Erst im Jahr 1997 wurde der Kirche, die zuvor als Bischofssitz gedient hatte, der Rang einer Kathedrale zugesprochen.

Der einzigartige Friedhof von Varazdin

Einzigartig in seinem Konzept ist der städtische Friedhof, der inmitten der vielen Gräber als wichtiger Treffpunkt für Einheimische und Touristen gleichermaßen gilt. Die einzigartige und etwas ungewöhnliche Atmosphäre dieser Anlage ist dem Künstler Herman Haller zu verdanken, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine visionäre Idee eines „Parks für die Lebenden“ realisieren wollte. Die Stadtverwaltung Varazdins gestattete Haller, seine Vorstellung umzusetzen und den damaligen, im Jahr 1773 angelegten Friedhof umzugestalten. Durch die einzigartige, von den Parkanlagen Versailles inspirierte Gartenarchitektur, die Haller über einen Zeitraum von vier Jahrhunderten schuf, wurde der Friedhof zu einem idyllischen Erholungsgebiet, in dem heute Leben und Tod, Trauer und Lebensfreude in Harmonie nebeneinander existieren. Die barocken Gräber und Engelsstatuen liegen eingebettet zwischen kunstvoll geschnittenen Thujen, die zu Arkadengängen und Hecken geformt sind. Der Friedhof von Varazdin ist nicht nur eine einzigartige Ruhestätte, sondern auch ein architektonisches Naturdenkmal, das tausenden, von Haller gepflanzten Zypressen, Buchsbäumen, Magnolien, Ahornbäumen und Birken ein Zuhause bietet und als Ort der Entspannung und Erholung ein wichtiger Bestandteil im Leben der Varazdiner geworden ist.

Festspielstadt Varazdin

Als Austragungsort der „Kroatischen Salzburger Festspiele“ zieht Varazdin jährlich im Spätsommer und Herbst tausende Liebhaber der klassischen Musik aus der ganzen Welt an. Vor allem die im Rahmen der Festspiele abgehaltenen Barockabende sind weit über die Landegrenzen Kroatiens berühmt und begeistern die kulturbegeisterten Besucher schon seit fast fünfzig Jahren. Im Rahmen des Festivals erstrahlt die ganze Stadt durch an öffentlichen Plätzen präsentierte Tänze und kostümierte Schauspieler in historischem Glanz.

Ebenfalls als kultureller Höhepunkt im Veranstaltungskalender gilt das Spancirfest im Sommer, wenn sich aus ganz Kroatien zeitgenössische Künstler und Kulturschaffende in Varazdin einfinden und die Stadt in eine einzigartige Atmosphäre tauchen. Familien, die Varazdin bereisen wollen, kommen vor allem im Frühling voll auf ihre Kosten, wenn das internationale Kinder- und Jugend Animationsfilm Festival (VAFI) stattfindet. Neben öffentlichen Filmvorführungen werden Kinder und ihre Eltern inmitten der bunten Parkanlagen der barocken Blumenstadt auch mit Spielen und kreativen Entfaltungsmöglichkeiten unterhalten.