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Die Region Turopolje in Kroatien

Die Region Turopolje, deren Name im Altslawischen soviel wie „Feld der Stiere“ bedeutet und die im Herzen Kroatiens gelegen ist, gehört zu den schönsten Flecken Erde, die das kleine Land auf dem Balkan zu bieten hat. Von der Save im Norden und deren Nebenfluss Kupa im Süden begrenzt, liegt Turopolje im Städtedreieck der Hauptstadt Zagreb, der von Industrie geprägten Stadt Sisak und Karlovac, das reich an Kultur und Geschichte ist. Offizieller Hauptort der Region ist allerdings die 60.000-Einwohner Stadt Velika Gorica, die sich südlich von Zagreb befindet. Neben weiten Ebenen und Flusslandschaften gibt das Hügelland von Vukomerić der nur dünn besiedelten und sehr traditionell geprägten Region ihre landschaftliche Prägung. Politisch gesehen gehört Turopolje zu den Gespanschaften Zagreb und Sisak-Moslavina, außerdem grenzt es im Süden an die historische Region Banovina.

Die Städte der Region – Nachtleben, Kultur und Industrieromantik

Ein Aufenthalt in Velika Gorica, das im Norden nahezu unmittelbar an die Hauptstadt Zagreb grenzt, eignet sich hervorragend für den Beginn einer Reise durch Turopolje. Denn im dortigen Turopolje Museum in der Kralja Tomislava 1 gibt es alle wichtigen Infos über die Kultur und Geschichte der Region. Zudem können zahlreiche archäologische und ethnografische Exponate aus Turopolje bewundert werden. Das auch von außen optisch ansprechende Museum ist in einem zweistöckigen Gebäude aus dem Jahre 1765 untergebracht und steht Besuchern von Dienstag bis Freitag zwischen 9 und 18 Uhr offen, im Winter bis 16 Uhr. An den beiden Wochenendtagen hat es zusätzlich noch einmal von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis von 8 Kuna, also gerade mal knapp einem Euro, ist zudem mehr als erschwinglich. Neben einem Museumsbesuch eignet sich Velika Gorica auch für eine Shopping-Tour oder Ausflüge ins nahe gelegene Zagreb.

Unbedingt empfehlenswert ist zudem ein Abstecher in die Kleinstadt Lekenik, etwa 20 Kilometer südöstlich von Velika Gorica. Denn dort kann man die Ursprünglichkeit der Region und seine traditionelle Ausprägung noch relativ unverfälscht genießen. Besonders berühmt ist Lekenik für seine traditionellen Holzhäuser, die Čardak, die überall in der Umgebung bewundert werden können, aber nirgendwo so schön wie im Ortsteil Letovanić bei der Familie Skovac, die ein besonders schönes Holzhaus zu einem Museum für Kleidung und Alltagsgegenstände aus der Region umgebaut hat. Auch eine schöne alte Holzkirche steht zur Besichtigung bereit. In einem Nebenhaus ist zudem eine kleine Pension, in der man wie zu alten Zeiten nächtigen und die Gastfreundschaft der Region in vollen Zügen auskosten kann. Besonders im Frühling und Sommer kann im nahe gelegenen schönen Fluss Kupa auch gebadet und die unberührte Natur bei Sonnenschein und einer kühlen Brise völlig stressfrei genossen werden.

Etwas städtischer und hektischer geht es in der Industriestadt Sisak zu, die unweit von Zagreb genau an der Mündung der Kupa in die Save liegt und etwa 50.000 Einwohner hat. Obgleich die Stadt von der größten Erdöl-Raffinerie des Landes sowie von Metallverarbeitungs-, Lebensmittel- und Chemiebetrieben geprägt ist, hat sich vor allem die Altstadt sowie das nahe ländliche Umfeld seinen ursprünglichen Charme bewahren können. So besticht z.B. die Kathedrale Uzvisenja Svetog Kriza aus dem 18. Jh. mit ihrem barocken Stil. In ihrer direkten Umgebung finden sich zudem die ausgegrabenen Überreste der römischen Stadtmauer, die auf die Ursprünge der Stadt im Römischen Reich hinweisen. Die bewegte Geschichte der Stadt, die schon viele verschiedene Herrscher hatte, lässt sich am besten im Stadtmuseum in der Kralja Tomislava 10 nachvollziehen, wo sich von montags bis freitags von 7:30 Uhr bis 15:30 Uhr für umgerechnet nur knapp 2 Euro (Schüler und Studenten zahlen sogar nur die Hälfte) Exponate und Ausstellungen aus allen Epochen der Stadt bestaunen lassen können. Das Wahrzeichen der Stadt ist die alte Steinbrücke, die Stari most, die die beiden Ufer der Kupa miteinander verbindet. Im Schatten der Brücke sowie entlang der Ufer der Kupa befinden sich zahlreiche Cafés und Restaurants, von denen viele einen grandiosen Ausblick auf die Brücke und die Kupa bieten. Die kleinen Straßen und Gassen entlang des Ufers eignen sich darüber hinaus hervorragend für einen gemütlichen und beschaulichen Spaziergang. Vor allem in den lauen Sommernächten wird in Sisak die Nacht zum Tag gemacht, denn dann spielen in den Bars und Cafés der Stadt fast jeden Abend Live-Bands. Zudem finden dann immer auch zahlreiche Konzerte und Festivals auf den Straßen und Plätzen des Ortes statt.

Etwa 2 Kilometer vor den Toren der Stadt befindet sich ein weiteres Wahrzeichen von Sisak, nämlich die Stari Grad Sisak, die alte Festung der Stadt. Etwa um Mitte des 16. Jh. zum Schutz vor den anrückenden Osmanen erbaut, gilt die Festung als Symbol für die Wehrhaftigkeit der Stadt. Das heute immernoch gut erhaltene und malerisch auf einem Plateau direkt am Ufer der Kupa gelegene Bauwerk kann zwischen Mitte Mai und Anfang Oktober wochentags zwischen 12 und 18 Uhr besichtigt werden (Montag ist Ruhetag). Am Wochenende ist die Festung jeweils zwischen 12 und 20 Uhr für Besucher geöffnet. Der Eintritt beträgt umgerechnet nur knapp 1,30 Euro und für das leibliche Wohl sorgt ein Restaurant.

Zagreb

Zagreb ©iStockphoto/graksi

Ein Paradies für Angler und Wassersportler

Aufgrund seiner zahlreichen weitgehend unberührten und naturbelassenen Flüsse, Seen und Bäche ist Turopolje ein wahres Mekka für Angler. Besonders das Gebiet rund um das kleine Lekenik gilt als echter Geheimtipp unter Anglern aus ganz Europa. Denn die in der Nähe gelegenen Flüsse Kupa, Save und Odra sind in weiten Teilen noch naturbelassen, fischreich, nicht künstlich begradigt und in Ufernähe oft sehr flach, was sie zu einem idealen Ort für einen ruhigen Angel-Ausflug macht. Darüber hinaus laden die Flüsse auch zu einer entspannten Kanu- oder Ruderbootfahrt oder einfach nur zum vergnüglichen schwimmen und planschen ein. Und niemand braucht dafür extra sein eigenes Bötchen mitzubringen, denn entlang der Flüsse finden sich einige Boots- und Kanuverleihe, die die schwimmbaren Untersätze zu einem fairen Preis zum Verleih anbieten.

Auch für Feinschmecker ist Turopolje ein wahres Schlaraffenland

Vorab sei gesagt: Wer auf Diät ist oder aus Prinzip auf tierische Produkte verzichtet, der wird es in Turopolje eher schwer haben, etwas Geeignetes zu essen zu finden. Denn wenn ein Wort die hiesige Küche treffend beschreiben soll, dann ist das ganz eindeutig: „deftig“. In Turopolje kommt viel Fettiges und Reichhaltiges auf den Tisch. Berühmt ist die Region z.B. für ihre deftigen Suppen und Eintöpfe. Die Bohnensuppe Pažul schmeckt dabei genauso hervorragend wie der mit reichlich Fleisch gespickte Gemüseeintopf Čušpajz. Ebenfalls sehr beliebt bei den Turopoljern sind Wurst- und Käsespezialitäten wie die pikante Knoblauchwurst Češnovka oder der Sir od dima genannte Weichkäse, der in vielen Haushalten selbst hergestellt und mitunter auch getrocknet und dann als Hartkäse gegessen werden kann. Außerdem kann er als Füllung für die Gibanica genannten Backwaren verwendet werden, die unserem Strudel sehr ähneln oder die Fajnki genannten mit Käse gefüllten Teigtaschen. Zu alkoholischen Getränken oder einfach als Snack zwischendurch erfreuen sich hingegen die aus Schweinefett gebackenen Čvarci sowie hausgemachter getrockneter Schinken (Domaća šunka) oder Speck (Domaći špek) großer Beliebtheit. Als Sättigungsbeilage fungieren Minci genannte Teigfetzen oder Knödel aus Maismehl, die Žganci heißen. Eine ganz besondere Delikatesse ist das Spanferkel Odojek, dessen zartes Fleisch eine echte Gnade ist und das oft bei Festen in den Dörfern zubereitet und gegessen wird. Die Zutaten für die Speisen stammen fast immer nahezu ausschließlich aus der Region und sind auch dementsprechend frisch.

Abgerundet werden die schweren Gerichte gerne mit einem Wein aus den Anbaugebieten rund um die hügeligen Landschaften von Vukomerić, einer kleinen Subregion des Turopolje. Und um die Verdauung für die harte Arbeit so richtig in Schwung zu bringen, kommt nach dem Essen gerne und oft auch ein aus verschiedenen Obstsorten gebrannter Schnaps namens domaća rakija auf den Tisch. Und nur selten bleibt es dabei bei nur einem „Kurzen“.

Bis vor einigen Jahrzehnten stand auch das nach der Region benannte Turopolje-Schwein, welches auf den großen Weideflächen in den Niederungen der Save das ganze Jahr über weidete, noch auf der Speisekarte, ehe es nicht zuletzt durch den Kroatienkrieg Anfang der Neunziger Jahre des 20. Jh. kurz vor dem Aussterben stand und nur noch etwa zwanzig bis dreißig Exemplare übrig waren. Tierschützer evakuierten damals die letzten Exemplare aus dem Land und züchteten sie mit Erfolg im Ausland nach. In Turopolje selbst gibt es heute leider kaum noch Turopolje-Schweine, weswegen ihr Fleisch auch nur selten oder gar nicht mehr in den Restaurants der Region zu bekommen ist.

Turopolje ist sehr gastfreundlich und voll von natürlicher Schönheit und gehört zu den ursprünglichsten und traditionellsten Regionen in ganz Kroatien. Kurzum, Turopolje ist auf jeden Fall eine Reise wert.